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Es gibt unzählige Geschichten über Unternehmen, Unternehmer und Manager und täglich kommen neue Episoden dazu. Der Mythos Manager entsteht aus einer Verklärung bestimmter Lichtfiguren. Nicht selten werden sogar ganze Firmen personifiziert. Immer wieder werden gute wie schlechte Nachrichten den Inhabern oder den Top- Managern direkt zugeordnet. Die Unternehmen erhalten so ein Gesicht und die Interessierten erhalten einen fokussierten Bezugspunkt. So wird Management persönlich. Die Schau auf Vorbilder und Ikonen der Wirtschaft ist ein beliebtes Spielfeld derjenigen, die noch Karriere machen wollen. Doch das ist vollkommen falsch.

Eigentlich geht es um Erfolg und nicht um die Personen

Die Auseinandersetzung mit Personen war und ist schon immer von besonderem Interesse. Schließlich wollen doch die meisten Mitarbeiter in den Unternehmen selber Karriere machen. Da kann ein Blick nach oben doch nicht schaden. So kommt es, dass bestimmte Leute zu so genannten Ikonen der Wirtschaft werden. Um die Erfolgreichen sammeln sich sehr schnell zahlreiche Geschichten. Das Interesse an den Erfolgen, den Charakermerkmalen, den Einstellungen und den Verhaltensweisen wird immer größer.

Der gemeinsame Nenner aller Manager und Unternehmer, die es zum Vorbild oder gar zur Ikone bringen ist, der Erfolg. Die Auseinandersetzung mit den Menschen und den Werten dieser Personen, ist dem immer nachgelagert. Es geht ja darum, erfolgreich zu sein und nicht ein guter Mensch. Wer sich die Geschichten aus Manager-Magazin, Wirtschaftswoche, Handelsblatt und Co anschaut, der stellt fest, dass der Ausgangspunkt immer die Erfolgsgeschichte ist. Eine Beschreibung der Vergangenheit, was alles gut gelaufen ist, oder welche kleinen Rückschläge, der Erfolgreiche hinnehmen mußte. Was hat der Mann oder die Frau getan, wo kommen sie her und welche Wege wurden beschritten, um da anzukommen, wo der- oder diejenige nun steht. Nur kurz dann am Ende ein Ausblick, was noch zu tun ist und welche Hindernisse dem weiteren Erfolg im Wege stehen könnten.

Die verzweifelte Suche nach den objektiven Erfolgsfaktoren

Wenn man den Kern der zahllosen Geschichten über Erfolgreiche sucht, erkennt man, dass gar nicht die Person wichtig ist, sondern das Erkennen von objektiven Erfolgsfaktoren. Jede Beschreibung und jede Analyse gleicht einem Geheimrezept. Das unglaubliche Interesse an den Managern entspricht dem Versuch der frühen Alchimisten, mit aller Macht die Formel für Gold zu finden. Nur das hier die Frage nach den Zutaten für den wirtschaftlichen Erfolg in Unternehmen gestellt wird. Ganz intensiv setzt man sich damit auseinander, wie man denn sein muss, um erfolgreich zu werden. Oder anders ausgedrückt: Welches Eigenschaften kennzeichnen die Erfolgreichen? Es muss doch objektive Erfolgsfaktoren geben. Man ist auf der Suche nach den persönlichen Ausprägungen, die den Mann oder gelegentlich schon einmal die Frau erfolgreich machen. Die intensive Auseinandersetzung mit den Führungskräften und ihren Merkmalen basiert auf der weit verbreiteten Überzeugung, dass es so etwas wie eine objektive nachweisbare Formel für Erfolg gibt. Die einfache These lautet: Wer die richtigen persönlichen Merkmale auf sich vereint, wird sich immer durchsetzen!

Die Suche nach den objektiven Erfolgsfaktoren ist sinnlos. Sie wird nie zu einem Ergebnis führen. Denn die Ausgangsthese ist schon falsch. Es gibt ihn nicht, den objektiven Erfolg, und damit gibt es auch keine objektiven Erfolgsfaktoren. Wir können zwar sehen, dass bestimmte Personen einen herausragenden wirtschaftlichen Erfolg haben, aber die Umstände die dazu geführt haben, sind genau so facettenreich wie die Geschichten. Der philosophische Grundgedanke, dass es für alles eine objektive Sicht der Dinge gibt, ist schon vor 2500 Jahren durch die sogenannten Sophisten nachhaltig in Frage gestellt worden.

Warum Vorbilder sinnlos sind

Vorbilder basieren auf einer Verklärung von Menschen

Um Ikone der Wirtschaft zu werden, brauchen die Beobachter eine gewisse Distanz. So werden aus der Ferne effektiv aufgetretene Probleme nicht erkannt oder unterbewertet. Rückschläge werden nicht wahrgenommen oder sie werden entschuldigt. Der Mythos Manager basiert auf Distanz und Verklärung. Verringert sich die Entfernung und sind die Kenntnisse über die Personen größer, werden die Vorbilder weniger. Das Ansehen als Vorbild ist eine Funktion der Unwissenheit. Je weniger man wirklich über die behandelte Person weiß, umso eher eignet sie sich als Vorbild. Prüfen Sie doch einmal wieviele Vorbilder Sie in Ihren direktem beruflichen Umfeld haben.

Wenn Vorbilder auf Distanz und Verklärung basieren, sind Sie als Maßstab für die eigenen Entwicklung gänzliche ungeeignet. Die eigene Suche nach Erfolg muss sich mit einem tiefen Verständnis verbinden und darf nicht auf einer Verklärung bestimmter Figuren beruhen. Es besteht kein Zweifel: Idole haben bei der Suche nach den objektiven Kriterien guter Führung einen geringen Erkenntniswert.

Vorbilder leben in Ihrer eigenen Welt

Da es nun mehr als genug Beiträge zu Ikonen der Wirtschaft gibt, werden sie erkennen, dass jeweils individuelle Werdegänge beschrieben werden. Es sind besondere oder sogar einmalige Situationen, in denen sich die Erfolgreichen bewegen. Und wie ist es bei Ihnen? Ist Ihre persönliche Situation mit denen der Erfolgreichen vergleichbar? Mit Sicherheit nicht. Jeder Einzelne lebt privat wie geschäftlich in einer spezifischen Umgebung. Es gilt, die Besonderheit des Umfeldes und auch der eigenen Person zu verstehen und daraus die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. In der Sache, aber eben auch was die handelnden Personen angeht. Der individuelle Weg der anderen, kann nicht ihrer sein. Das Vorbild taugt nicht, wenn es konkret wird.

Vorbilder haben alle nur denkbaren Eigenschaften

Die Wissenschaft folgt dem falschen Bild. Sie ist auf der Suche nach einem Ideal. Dem Idealtypus des Erfolgreichen. So werden immer neue Aufzählungen von Eigenschaften, die den Erfolg praktisch nach sich ziehen sollen , ersonnen und häufig auch statistisch belegt. Wenn Sie sich umschauen, werden Sie erkennen, dass Sie in ihrem Berufsleben schon alle möglichen Typen kennen gelernt haben, die in ihrem Unternehmen, beim Wettbewerber, bei den Kunden oder den Lieferanten sehr erfolgreich sind. Der Guru der Führung, Fredmund Malik, hat auf der Basis seiner Jahrzehnte langen Erfahrung eindeutig ausgeführt, dass es den erfolgreichen Typen nicht gibt. Sie werden auf alle nur denkbaren Charaktereigenschaften treffen, und keine zwei Führungskräfte handeln in herausfordernden Situation gleich. Es gibt keine eindeutigen Persönlichkeitsmerkmale, die den Weg zum Erfolg ebnen. Das Einzige was sie erkennen können, ist die Individualität des einzelnen.

Man gelangt nicht dadurch in eine höher Position, dass man eine Art Klon eines anderen erfolgreichen Menschen ist. Das Erfolgsrezept ist allein die Tatsache, dass diese Leute so sind wie sie sind, eben anders als andere. Manche haben die immer wieder geforderte Ausstrahlung, andere sind unscheinbar und trotzdem wirkungsvoll. Manche sind auf ihr Auftreten und das Äußere bedacht, andere überzogen genau mit ihrer Uneitelkeit. Manche sind besonders selbstbewußt und wieder andere sind das genau nicht. Es macht also gar keinen Sinn, sich andere Eigenschaften anzueignen, wenn der Erfolg der fremden Merkmale nicht sicher zum Erfolg führt.

Manche Vorbilder sind erfolgreich aber nicht gut

Der einzige gemeinsame Nenner der Erfolgreichen ist der Erfolg. Also das Ergebnis und nicht die persönlichen Merkmale. Nicht selten treffen wir im Top-Management auf Menschen, die für den Erfolg sprichwörtlich „über Leichen gehen“. Aber das ist zum Glück auch nicht bei allen so. So wie es heute üblich ist, den Erfolg als einzigen Maßstab für das zu nehmen, was Sie selber wollen, ist auch schon fragwürdig. Der Erfolg ist in unserer Zeit doch eine rein wirtschaftliche Dimension. Wichtige andere Werte der Gesellschaft, des sozialen Umfeldes und der eigen Person werden damit gar nicht angesprochen.

Es steht Ihnen vollkommen frei, den wirtschaftliche Erfolg als Ihre persönliche Zielmarke zu definieren. Niemand schränkt Ihre Freiheit in Bezug auf diese Entscheidung ein. Es sei hier nur der Hinweis erlaubt, dass das Erfolgreiche nicht deckungsgleich mit dem „Guten“ ist. Diese beiden Dinge können weit auseinander gehen. Schauen Sie sich nur die in der letzen Zeit diskutierten „Triksereien“ und sogar rechtlichen Verfehlungen an. Da haben einige sehr gut verdient, aber es fällt einem schwer, das positiv zu bewerten.

Das Selbst ist immer stärker als das Vorbild

In Bezug auf die moderne Wirtschaft ist festzuhalten, dass die Anlehnung an den Mythos Manager mit seinen Erfolgstypen keinen persönlichen Gewinn bringt. Es gibt ebenso viele persönliche Eigenschaften wie unterschiedliche Situationen, in denen sich eine Führungskraft zu Recht finden muss. Schon gar nicht lässt sich aus der Betrachtung einzelner Ikonen der Wirtschaft eine Erfolgsformel extrahieren. Und der Erfolg als monokausales Ziel ist auch zu hinterfragen.

Am Ende hilft die Anlehnung an die mythischen Gestalten der erfolgreichen Manager nicht. Es geht um einen selbst und da muss man sich auch mit sich selbst beschäftigen. Wenn man wirklich gut sein will, oder sich verbessern will, muss man eigene Maßstäbe haben und die auch erfüllen! Wer einem Idol nacheifert, geht viel zu hohe Risiken ein. Es können Erfolgsfaktoren identifiziert werden, die in der persönlichen Situation gar nicht hilfreich sind. Und selbst wenn man denn die richtigen Eigenschaften aus der Beobachtung anderer abgeleitet hat, besteht doch das Problem, diese Charakterzüge auf einen selbst übertragen zu müssen. Dabei taucht sofort die Frage auf, ob man überhaupt fremde Wesenszüge annehmen kann? Nein, die Orientierung an anderen, ob sie nun tatsächlich Ikonen der Wirtschaft sind oder nur nette Menschen von nebenan, ist auf der Suche nach den richtigen Persönlichkeitsmerkmalen nicht angebracht. Schließlich entsteht durch die Anlehnung eine absurde Situation: Man kann eigentlich nicht gleichzeitig die gestandene Führungskraft sein und zeitgleich versuchen, wer anders zu werden!