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Schon wieder ist ein Jahr so gut wie vorbei. Wir feiern an diesem Wochenende den 1. Advent und damit beginnt die Zeit der Ruhe, Besinnung und der Familie. Also genau die richtige Zeit, um sich ein paar Fragen zu stellen:

  • Was muss man tun, um erfolgreich zu sein?
  • Was muss man tun, um als Manager noch besser zu werden?

Kein Begriff aus der Wirtschaft ist in solchem Maße mit dem Erfolg verbunden wie der des Managers. Wenn wir von erfolgreichen Unternehmen hören, dann werden immer auch die Geschichten der betreffenden Manager erzählt. Nicht umsonst heißt das Magazin für die Top-Elite der Wirtschaft: “Manager Magazin”.

Das Bild vom Manager

Wir haben vom Manager genaue Bilder im Kopf. Jeder für sich und doch sind sie alle ähnlich. Wer in einer Fotodatenbank das Wort “Manager” eingibt, kann sich ein genaues Bild davon machen, wie  der Stereotyp beschrieben wird. Die typischen Attribute sind: der Schreibtisch, das Laptop, das Flip-Chart und der Besprechungstisch. Wir sehen gestylte Typen, die allesamt besonders selbstbewußt wirken.

Dazu kommen einige Merkmale, die sich nicht gut in Bildern zeigen lassen. Natürlich sind Manager vielbeschäftigte Männer oder Frauen. Die Terminkalender sind gut gefüllt bis überfüllt und ein permanenter Druck ist schon allein durch die Größe der Aufgaben gegeben. Nach unserer Vorstellung kommt die Arbeitsbelastung nicht aus eigenem Antrieb, sondern durch die vielen der Mitarbeiter. Als Manager ist man eben wichtig!

Wenn also der Manager der Inbegriff des Erfolges in der Wirtschaft ist, dann muss man, wenn man selber erfolgreich sein will, eben auch Manager werden. Es gibt anscheinend keine Alternative, um wirklich erfolgreich zu werden. Soll der Erfolg kommen, dann muss man allerdings auch wissen, was einen guten Manager auszeichnet. Die Bewältigung eines hohen Arbeitspensums ist es sicher nicht allein.

Was ist Management?

Management ist ein Kunstbegriff, der sich aus Bestandteilne der lateinischen Wörter „manus = die Hand“ als handeln und „agere = führen“ zusammensetzt. Der Anglizismus geht auf den berühmten US-amerikanischen Ingenieur Frederick Winslow Taylor zurück, der zu Beginn der Industrialisierung die Arbeitsteilung von Planung und Ausführung, den Taylorismus erfunden hatte. Die Funktion des Management ist eine auf rationalen Prinzipien beruhende, zielgerichtete Handlungsweise. Es ist ein methodisch-instrumenteller Ansatz zur Zielerreichung. Übrigens ist Management nach dieser Definition nicht allein auf die Wirtschaft oder gar wirtschaftliche Unternehmen beschränkt. Jede Organisation kann nach rationalen Gesichtspunkten geführt werden. Das ist auch der Grund, warum der Begriff des Management in allen Organisationsformen und in allen Lebenslagen geradezu inflationär Verwendung findet.

Management ist immer mit einer klaren Zielrichtung verbunden. Die wesentlichen Elemente sind die Planung, die Organisation, die Koordination und die Kontrolle. Die Waffe des Managers ist sein Verstand also der Logos. Es geht nicht darum, irgendwie herumzuwursteln, sondern um ein zielgerichtetes und planvolles Vorgehen. Aus den übergeordneten Zielen ergeben sich ganz logisch verschiedene Strategien. Der Satz „Structure follows Strategy“ macht deutlich, dass die Organisation wiederum eine logische Konsequenz der gewählten Strategie ist. Die Koordination basiert auf sachlogischen Zusammenhängen verschiedener Elemente der Planung oder der Organisation. Die Kontrolle ist eine logische Notwendigkeit, wenn die Ziele erreicht werden sollen. Alles ist rein rational und irgendwie ganz logisch. Und alles passt zusammen.

„Management ist ein methodisch-instrumenteller Ansatz. Seine Grundlage ist die rein rationale Erkenntnis und die Analyse von Situationen und Maßnahmen“

Wie man Manager wird

Um erfolgreich zu sein und ein guter oder noch besserer Manager zu werden, müssen Sie also ein Logik-Training absolvieren. Sie müssen verstehen, komplexe Situationen rational zu erfassen. Sie müssen in schwierigen Situationen logisch und frei von Emotionen das Richtige tun. Tatsächlich wird alles das in Management-Seminaren und in MBA-Kursen vermittelt. Der Erfolg ist dann ebenfalls eine logische Konsequenz der erlernten Fähigkeiten. So einfach ist das. Also lohnt sich doch der Vorsatz, ein guter Manager zu werden.

Wenn man diese Zeilen liest, beschleicht jeden ein komisches Gefühl. Ist das Unternehmen, in dem Sie arbeiten rein rational? Sind Sie selber ein durch und durch rationaler Typ? Sind Sie der harte Junge oder das starke Mädchen, der oder das in schwierigen Situationen das Rationale tut? Sind Sie davon überzeugt, dass die Logik einen klaren Vorrang vor der Soziologie verdient?

Nutzen Sie die besinnlichen Tage und finden Sie Ihre Antwort auf alle diese Fragen. Machen sie sich klar, ob Sie schon so sind, wie man sich Management vorstellt, oder ob sie tatsächlich so werden wollen.

Als Entscheidungshilfe wollen wir das Management, beziehungsweise seine philosophische Grundlage einmal näher betrachten. Die Definition von Management ist eine platonische Auffassung von Verstehen. Das Erkennen und Verstehen ist nach Platon eine Funktion des Verstandes. „Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen“. Durch den Logos ergibt sich die Überlegenheit des Menschen über die Natur und die Tiere. Zum Glück wird These im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz wenigstens mal hinterfragt.

Ist die Zeit des Managers vorbei?

Es ist natürlich richtig, dass wichtige Entscheidungen auf guten und nachvollziehbaren Grundlagen beruhen sollten. Es ist absolut notwendig, in schwierigen Situationen nicht kopflos zu agieren. Es ist unabdingbar, dass Ziele, Strategien und Maßnahmen aufeinander abgestimmt sind. Die Herausforderungen durch Globalisierung, Digitalisierung und Klimawandel lassen sich allerdings nicht allein mit methodisch instrumentellen Ansätzen bewältigen. Es geht um den neuen Blick auf das Ganze, um ein tiefgreifendes Verständnis, dass sich außerhalb von Methoden und Checklisten findet.

Das Dogma des Managements ist gerade jetzt in die Diskussion geraten. Das ehrenwerte Drucker Forum hat postuliert, dass Management eine überragende Disziplin des letzen Jahrhunderts war. In diesem Jahrhundert wird, so sagen die führenden Wissenschaftler, die weiter gefasste Führung an erster Stelle stehen.

Wenn Sie also das Ziel haben, besonders erfolgreich zu sein, dann sollten Sie nicht dem Leitbild des letzten Jahrhunderts hinterherlaufen. Setzen Sie auf Führung, oder amerikanisiert, auf Leadership. Das bedeutet übrigens nicht, dass Management ausstirbt, es geht um das kluge Zusammenspiel zweier unterschiedlicher Disziplinen.

Was gute Führung ausmacht, ist ein Thema für den 2. Advent. Aber lassen Sie mich zum Abschluss festhalten, dass auch Management einem Wandel unterliegt. Das Bild eines vielbeschäftigten, von Termin zu Termin hastenden Managers sollten Sie als Zielbild aus Ihrer Vorstellung löschen. Wenn Sie Qualität schaffen wollen, dann gehört dazu, sich wirklich einmal in Dinge zu vertiefen. Das hektische Hin und Her steht doch jedem guten Verständnis eines Sachverhaltes im Wege. Schaffen Sie sich ein Bild im Kopf, wo Sie über einer Sache am Schreibtisch brüten und dann zu einer überragenden Lösung kommen. Dieses Zukunftsbild passt doch gut in die Weihnachtszeit, oder?