Man kann allenthalben feststellen, dass das Thema Führung wieder an Bedeutung gewinnt.
Aber woher kommt dieser Trend und warum tritt das Jahrzehnte lang positiv konnotierte Management auf einmal in den Hintergrund? Die Antwort ist ganz einfach: Die Gesellschaft ist ermüdet von anhaltenden Krisen und emotionslosem Krisen-Management. Wir wollen endlich wieder freudig in die Zukunft schauen. Gute Führung erkennt Sehnsüchte und zeigt uns reizvolle Wege auf. Gute Führungskräfte sind überzeugend und sprechen unsere Gefühlswelt an, damit wir Freude an dem Unbekannten entwickeln.

20 Jahre Krise sind genug

Welche positiven Ereignisse aus den letzen Jahren 20 Jahren können wir eigentlich benennen? Bis auf eine Fussballweltmeisterschaft und eine 7:1 Demütigung der Brasilianer fällt einem da nicht viel ein. Also einmal der Reihe nach:

  • Internetblase bzw. Dotcom Krise ab 2010
  • Immobilien – und Finanzkrise ab 2007
  • Staats und Eurokrise ab 2010
  • Flüchtlingskrise ab 2015
  • Pandemie ab 2020
    Es ist sicher nicht falsch, eine Ermüdung in der Bevölkerung in Bezug auf Krisen festzustellen. Wir wollen nicht mehr vom Negativen beherrscht werden. Spätestens nach der Pandemie muss es denn dann auch mal gut sein. Es reicht jetzt.

Die Jahre des Krisen-Management müssen vorbei sein

In den letzten 20 Jahren war es richtig und notwendig, auf die jeweiligen Herausforderungen mit kühlem Kopf zu reagieren. Die Königsdisziplin der Verantwortlichen war der alte Management-Dreisprung von objektiver Analyse, sachlogischen Konzepten und holpriger Umsetzung. Und so wird auch jetzt in der Pandemie alles auf die Karte Management gesetzt. Gesundheits-Management, Finanz-Management und Erwartungs-Management sind die Instrumente, um auch diese aktuelle Krise zu überstehen.
Doch beim Krisen-Management ist die bessere Zukunft immer genauso weit entfernt wie die nächste Impfstoffzulassung, der neue Impfplan, der Öffnungstermin von Kitas und Schulen, das Reopening im Einzelhandel, die Erlaubnis zum Sport und den Neubeginn des gesellschaftlichen Lebens in Gaststätten und kulturellen Einrichtungen. Die Gestaltung der Zukunft fällt im Krisen-Management zugunsten eines ermatteten Erreichens des nächsten Wegpunktes komplett aus. Es fehlt die Perspektive!

Das allseits beliebte Festhalten an der Krise

Die Mehrheit der Führungskräfte – und mittlerweile auch die Politik – schmückt sich ja gerne mit dem vermeintlichen Adelstitel „Krisen-Manager“. Doch dabei liegt der Horizont nicht mehr in der Ferne, sondern on „arms length“. Nur an einer Stelle kann die Perspektive wohl gar nicht lang genug sein. Alle Krisen scheinen ewig fortzudauern. Haben sie schon mal irgendwo gehört, dass die Dotcomblase überwunden wurde? Gibt es irgendjemanden, der das Ende der Bankenkrise bestätigen würde? Wo ist die Stellungnahme, dass die Staats- und Eurokrise überwunden ist? Haben wir das Flüchtlngsthema nicht eigentlich gemeistert?
Anscheinend hat man in der Krise Optionen in die Hand bekommen, die „so schön sind“ dass man sie nicht mehr hergeben will. Solange die Banken gleichermaßen systemrelevant wie gefährdet sind, genießen sie einen Sonderstatus in der Wirtschaft. Nur wenn es es den Staaten weiterhin schlecht geht, darf die EZB rechtlich nicht legitimierte Instrumente einsetzen. Nur solange wir unter einer Überfremdung leiden, kann man mit bestimmten Slogans noch Aufmerksamkeit erheischen. Solange wir durch Pandemien gefährdet sind, darf der Staat gegenüber der Wirtschaft und allen Bürgern übergriffig sein.
Es besteht die Gefahr, dass keine der großen Krisen als beendet gilt. Was im Umkehrschluss aber bedeutet, dass das Krisen-Management versagt hat. Hat man die Krise dann doch nicht überwunden, sondern nur perpetuiert.
Die Jahre des Krisen-Management mit behaupteter Alternativlosigkeit und Systemrelevanz müssen endlich vorbei sein. Vielleicht ist ja Alternativlosigkeit nicht Ausdruck einer besonderen Logik, sondern unterdrückter Kreativität. Vielleicht ist das System, für deren Alt-Elemente so gerne Relevanz attestiert wird, sowieso schon überholt. Das alles ist nichts anderes als adhesives Management. Man klebt an der Vergangenheit fest.

Neue Horizonte aufzeigen

Gute Führung erkennt den silbernen Streif am Horizont und nicht nur das Licht am Ende des Tunnels. Es geht darum, Neuland zu betreten und Altes hinter sich zu lassen. Das wissen wir schon seit den Heldensagen, die uns Hesiod vor 2700 Jahren überlassen hat.
Die Gesellschaft will mal wieder was Gutes und Neues hervorbringen. Wenn also vermehrt von Führung gesprochen wird, dann reflektiert das eine Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach Unbekannten, Unentdeckten, Gefährlichem und Reizvollem. Eine Sehnsucht nach Positivem!
Also auf zu neuen Ufern. Die Zeit ist günstig. Die Erwartungen an Führung in der Gesellschaft sind größer geworden und die Bereitschaft mitzumachen steigt stetig an. Lassen Sie uns Gesellschaft im Sinne einer echten Utopie neu denken. Verlassen wir die ausgetreten Pfade eines in die Jahre gekommenen Management und gehen wir über zu guter Führung.

Wie geht gute Führung?

Führung funktioniert nicht mit Regeln, sondern mit Fragen. Stellen Sie sich die Frage, was sich wirklich ändern muss. Suchen Sie Wege wie man Gesellschaft neu denken kann. Kniffeln Sie an der Aufgabe, wie man Wirtschaft nachhaltig verändert. Setzen Sie sich damit auseinander, wie Ihr Verantwortungsbereich in der Zukunft aussehen soll. Allein Fragen sind der richtige Angang, Neues zu denken. Die Neugier und die Sehnsucht sind starke Antriebe.
Wenn Sie klare und überzeugende Antworten finden und dann noch Leute davon überzeugen, mitzugehen, dann ist das gutes Führung. Und diese positive Perspektive haben wir jetzt endlich mal wieder verdient.